Technik Erklärt

Welche Mitteilung darf dazwischenfunken?

Nicht jede App muss im selben Moment rufen. Ein geräteoffener Leitfaden für App-Auswahl, Sperrbildschirm, Zusammenfassungen und wichtige Warnungen.

Ein Telefon mit dunklem Bildschirm liegt neben einem mechanischen Wecker, ein schmaler gelbgrüner Papierstreifen liegt quer darüber.
Bild © Lautglanz
Rubrik Technik · Erklärt

Ein Telefon kann sich melden, weil jemand schreibt. Es kann sich auch melden, weil eine App an etwas erinnern möchte, das bis morgen warten könnte. Beide Töne kommen zunächst gleich dringend daher. Die Ordnung beginnt deshalb nicht beim Lautstärkeregler, sondern bei der Frage, welche Anwendung überhaupt dazwischenfunken darf. Danach folgen Anzeige, Ton und Zeitpunkt. Die Menüs sehen auf iPhone und Android verschieden aus und verändern sich mit der Version. Das Prinzip bleibt handhabbar: App für App prüfen, Vorschauen bewusst wählen und öffentliche Warnungen als eigene Kategorie behandeln. Ruhe ist eine Einstellung. Aufmerksamkeit bleibt eine Entscheidung.

Die App ist die erste Entscheidung

Die meisten Einstellungen beginnen an der falschen Stelle. Man stellt den Ton leiser, statt die Menge zu verringern. Das ist vergleichbar damit, bei einem tropfenden Wasserhahn ein Handtuch unterzulegen.

Die erste Entscheidung ist deshalb eine Auswahl. Für jede App, die sich melden darf, lässt sich beantworten, ob ihre Mitteilung eine Handlung erfordert, die gerade jetzt passieren muss. Drei Gruppen ergeben sich daraus von selbst.

Sofort und wichtig. Eine Nachricht von einer Person, die auf eine Antwort wartet. Ein Anruf. Ein Termin, der gerade beginnt. Diese Gruppe braucht Ton und Anzeige.

Nützlich, aber später. Eine Lieferung, eine Erinnerung, ein Kalenderhinweis am Abend vorher. Diese Gruppe darf erscheinen, ohne zu unterbrechen. Also Anzeige ohne Ton.

Nicht jetzt. Alles, was jemanden dazu bringen soll, eine Anwendung zu öffnen. Diese Gruppe ist der größte Teil, und sie ist der Teil, der am wenigsten darf.

Wer diese drei Gruppen einmal durchgeht, hat meist mehr gewonnen als mit jeder Einstellung an der Lautstärke. Apple beschreibt in der Anleitung Mitteilungseinstellungen auf dem iPhone ändern, dass Einstellungen pro App vorgenommen werden. Google beschreibt in der Android-Hilfe zu Benachrichtigungen dasselbe Prinzip für Android, mit Hinweis auf Unterschiede zwischen Geräten und Herstellern. Die Menünamen und die Anzahl der Optionen unterscheiden sich deshalb, das Grundprinzip nicht.

Der Sperrbildschirm ist ein eigener Ort

Drei Gruppen von Mitteilungen

  1. Sofort und wichtig Eine Nachricht von einer Person, die auf Antwort wartet. Braucht Ton und Anzeige.
  2. Nützlich, aber später Eine Lieferung, eine Erinnerung. Darf erscheinen, ohne zu unterbrechen.
  3. Nicht jetzt Alles, was dazu bringen soll, eine Anwendung zu öffnen. Das ist der größte Teil und der, der am wenigsten darf.

Zusammenstellung dieser Redaktion. Die Funktionsweise der Einstellungen stützt sich auf die Anleitungen von Apple und Google; die Gruppierung ist eine redaktionelle Empfehlung.

Drei Gruppen von Mitteilungen und was jede Gruppe darf. Die Beschreibung nennt dieselben Gruppen in Worten.

Ein Sperrbildschirm ist kein Bildschirm wie jeder andere. Er ist sichtbar, ohne dass jemand das Gerät entsperrt hat. Das betrifft drei Situationen, die im Alltag häufig vorkommen: Das Gerät liegt auf einem Tisch, es liegt in einer Hand, die nicht die eigene ist, und es liegt neben dem Bett.

Die Vorschau ist deshalb eine eigene Entscheidung, unabhängig davon, ob eine App sich überhaupt melden darf. Drei Stufen sind üblich: vollständige Vorschau mit Inhalt, abgedeckte Vorschau, die nur zeigt, dass etwas angekommen ist, und keine Anzeige auf dem Sperrbildschirm.

Die Wahl hängt vom Inhalt ab und nicht von der Wichtigkeit der App. Eine Bankanwendung mit einem Hinweis auf einen Kontostand ist wichtiger als ein Newsletter und trotzdem sensibler. Eine Chat-App, die nur den Absendernamen zeigt, verrät weniger als eine, die den Nachrichtentext zeigt.

Wer diese Entscheidung trifft, sollte sie für jede App einzeln treffen. Eine pauschale Einstellung für alle Anwendungen ist bequem und ergibt fast immer die falsche Mischung.

Zusammenfassen und pausieren

Beide großen Systeme haben Funktionen eingeführt, die Mitteilungen bündeln statt sie einzeln durchzureichen. Sie unterscheiden sich in Namen und Umfang, und sie ändern sich mit den Versionen.

Die Idee dahinter ist ein Zeitfenster. Statt jede Mitteilung sofort zu zeigen, sammelt das System sie und liefert sie zu bestimmten Zeitpunkten. Für die Gruppe „nützlich, aber später" ist das die passende Behandlung. Für die Gruppe „sofort und wichtig" ist es falsch, weil eine gebündelte Nachricht genauso spät ankommt wie eine unterdrückte.

Die zweite Funktion ist die Pause. Sie unterdrückt Mitteilungen für einen bestimmten Zeitraum, oft mit einer Ausnahme für Anrufe von bestimmten Kontakten. Diese Ausnahme ist der wichtigste Teil der Einstellung. Ohne sie wird aus einer Pause eine Abwesenheit.

Was beide Funktionen nicht leisten: Sie beantworten nicht die Frage, welche App sich überhaupt melden darf. Sie verschieben den Zeitpunkt. Bei einer App, die zwanzigmal am Tag dazwischenfunken möchte, bleibt das Problem auch nach der Zusammenfassung bestehen, nur in größeren Paketen.

Warnungen sind keine Werbung

Eine Kategorie muss ausdrücklich ausgenommen werden. Öffentliche Warnmeldungen gehören nicht in dieselbe Gruppe wie Anwendungshinweise. Sie sind selten, sie betreffen einen konkreten Ort und sie können eine Handlung erfordern.

Die pauschale Einstellung „keine Mitteilungen" ist deshalb keine gute Lösung für Ruhe. Sie trifft eine Anwendung, die niemanden stört, genauso wie eine, die ständig stört, und sie trifft im schlimmsten Fall die einzige Meldung, die wichtig gewesen wäre.

Die bessere Reihenfolge ist: erst die Anwendungen aussortieren, die ohne Berechtigung melden, dann die verbleibenden in Gruppen einteilen, dann Ton und Anzeige festlegen, und erst danach die Zeitfenster. Wer diese Reihenfolge umdreht, verbringt Zeit mit Feineinstellungen für Anwendungen, die gar nicht melden sollten.

Nach einer Woche nachsehen

Mitteilungseinstellungen sind eine Erwartung, keine Messung. Ob sie zum Alltag passen, zeigt sich erst nach einigen Tagen.

Ein Blick auf die tatsächlichen Meldungen nach einer Woche beantwortet drei Fragen. Welche Anwendung hat sich am häufigsten gemeldet? Welche Meldung war tatsächlich nötig? Und welche Meldung hat man geöffnet, obwohl man es nicht vorgehabt hatte?

Die dritte Frage ist die interessanteste, und sie ist die einzige, für die es keine Einstellung gibt. Eine Meldung, die man öffnet, obwohl sie nicht wichtig ist, hat ihre Aufgabe erfüllt. Wo das häufig passiert, hilft keine Konfiguration, sondern nur die Entscheidung, die Anwendung seltener zu öffnen.

Dieser Beitrag gibt keine Empfehlung zur Konzentrationsfähigkeit, zur Bildschirmzeit oder zum Schlaf. Für solche Aussagen wären andere Quellen nötig als Bedienungsanleitungen, und sie würden hier nicht durch die Hintertür eingeführt. Was sich mit den Anleitungen belegen lässt, ist die Funktionsweise der Einstellungen. Was sie bewirken, ist eine Frage der eigenen Gewohnheit.

Die Bilder sind eine Studie

Die Aufnahmen zu diesem Beitrag zeigen ein Telefon mit dunklem Bildschirm, einen mechanischen Wecker und einen schmalen Papierstreifen quer über beiden. Es ist eine gestaltete Stilllebenaufnahme ohne Screenshots, ohne Oberflächentexte und ohne Marken. Der Wecker steht dabei für die eine Meldung, die ihren Zweck erfüllt hat, ohne einen Bildschirm zu brauchen.

Quellen und Hinweise

  • Apple: Mitteilungseinstellungen auf dem iPhone ändern. Trägt das Prinzip der Einstellung pro App. Menübezeichnungen und Optionen können sich mit der Systemversion ändern.
  • Google: Benachrichtigungen unter Android verwalten. Trägt dasselbe Prinzip für Android und weist auf Unterschiede zwischen Geräten und Herstellern hin.
  • Beide Quellen sind Herstelleranleitungen. Sie belegen Funktionsweisen und keine Wirkung auf Konzentration, Schlaf oder Wohlbefinden. Dieser Beitrag behauptet keine solche Wirkung und gibt keine medizinische Empfehlung.
  • Die drei Gruppen und die Reihenfolge der Schritte sind die Zusammenstellung dieser Redaktion.