Morgen Erklärt
Weniger Licht, besser beleuchtet
Außenlicht hilft beim Ankommen und Orientieren. Es kann aber auch zu hell, zu lang oder am falschen Ort leuchten. Ein Leitfaden für bedarfsgerechte Beleuchtung.

Eine Leuchte kann einen Weg sichtbar machen. Sie kann aber auch die Fassade daneben, das Fenster gegenüber und den Himmel darüber treffen. Dann ist die Frage nicht mehr, ob Licht grundsätzlich gut oder schlecht ist. Es geht um Ort, Richtung, Dauer und Helligkeit. Wird diese Fläche wirklich gebraucht? Muss die Lampe die ganze Nacht eingeschaltet bleiben? Ein Licht, das nur den Weg erreicht, arbeitet genauer als eines, das die Umgebung gleich mitnimmt. In einem NABU-Fachgespräch wird diese Bedarfsgerechtigkeit ausdrücklich zum Thema. Die praktische Aufgabe bleibt vor Ort: sehen, wohin das Licht fällt, und die Einstellung daran anpassen.
Licht hat einen Ort
Der erste Schritt ist eine Ortsbestimmung. Man geht bei Dunkelheit vor die Tür und sieht nach, welche Flächen tatsächlich beleuchtet werden. Das klingt banal und ist in der Praxis der aufschlussreichste Teil der ganzen Übung, weil die Wirkung einer Leuchte von unten völlig anders aussieht als von der Straße aus.
Vier Flächen sind typisch.
Der Weg. Diese Fläche ist in der Regel der Grund für die Leuchte. Sie soll beim Ankommen und Orientieren helfen.
Die Fassade. Sie wird meist unbeabsichtigt beleuchtet. Ein Strahler, der nach vorne abstrahlt, trifft die Wand des Nachbargebäudes, und dort entsteht ein heller Fleck, der niemandem nützt.
Das Fenster. Ein Licht, das in ein Schlafzimmer scheint, ist ein Eingriff in den Wohnraum anderer. Dieser Punkt führt in der Praxis am häufigsten zu Beschwerden und am seltensten zu einer Änderung, weil er eine Abstimmung zwischen Nachbarn braucht.
Der Himmel. Ein Teil des Lichts geht immer nach oben. Bei einer ungeeigneten Leuchte ist es ein erheblicher Teil. Dieses Licht ist für die Orientierung am Boden vollständig verloren.
Die Frage nach dem Ort ist deshalb keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Wirksamkeit. Ein Licht, das nach oben strahlt, arbeitet für niemanden.
Licht hat eine Zeit
Der zweite Schritt betrifft die Dauer. Eine Leuchte kann nur dann stören, wenn sie eingeschaltet ist, und für viele Wege ist eine dauerhafte Beleuchtung nicht nötig.
Der Bedarf ist selten gleichmäßig. Ein Fußweg wird abends häufiger benutzt als um drei Uhr morgens. Eine Einfahrt wird beim Ankommen gebraucht und nicht danach. Diese Unterschiede lassen sich bei der Planung berücksichtigen, und sie sind der Grund, weshalb die Frage nach Zeiträumen in der Fachdiskussion eine eigene Rolle spielt.
Im NABU-Gespräch mit der Forscherin Dr. Sibylle Schroer geht es ausdrücklich um diese Frage. Der Beitrag Mir ist ein Licht aufgegangen vom 23. April 2020 formuliert sie als Frage an die Installation: ob die Beleuchtung wirklich benötigt wird, zu welchem Zweck und in welchen Zeiträumen. Als Leitgedanke steht dort die Formel, so viel wie nötig und so wenig wie möglich.
Wichtig ist, was dieses Interview nicht liefert. Es nennt keine bestimmten technischen Maßnahmen wie Zeitschaltungen, Bewegungsmelder oder Dimmschaltungen als benannte Empfehlung, und es enthält keine Zahl zur Sterblichkeit von Insekten. Wer solche Angaben braucht, muss eine andere Quelle suchen. Dieser Beitrag nennt sie deshalb nicht und schreibt sie auch nicht dem Interview zu.
Licht hat eine Richtung
Vier Prüffragen für eine Außenleuchte
- Ort Welche Flächen sind tatsächlich hell? Weg, Fassade, Fenster oder Himmel?
- Zeit In welchen Zeiträumen wird das Licht wirklich gebraucht?
- Richtung Trifft der Abstrahlwinkel nur die Fläche, für die die Leuchte gedacht ist?
- Helligkeit Blendet die Leuchte aus der Entfernung, aus der Menschen sie sehen?
Der dritte Schritt ist die Richtung, und hier ist die Aussage des Fachgesprächs am konkretesten. Der Abstrahlungswinkel von Leuchten soll so eingestellt sein, dass sie wirklich nur dort beleuchten, wo das Licht benötigt wird.
Praktisch bedeutet das drei Dinge.
Nach unten. Eine Leuchte mit einer Abdeckung nach oben strahlt weniger in den Himmel. Die Form des Gehäuses ist dabei entscheidender als die Leistung.
Begrenzt. Ein engerer Abstrahlwinkel beleuchtet eine kleinere Fläche heller. Für einen Weg ist das meist die bessere Lösung als eine breite Ausleuchtung mit geringer Helligkeit über eine große Fläche.
Ausgerichtet. Eine Leuchte, die sich neigen lässt, wird häufig falsch geneigt. Die Neigung entscheidet darüber, ob der Lichtkegel auf dem Weg liegt oder auf der Fassade.
Der letzte Punkt ist der billigste und der am häufigsten übersehene. Eine bestehende Leuchte, die auf die falsche Fläche zeigt, braucht keine neue Leuchte, sondern eine andere Ausrichtung.
Das NABU-Fachgespräch
Die genannte Quelle ist ein Interview auf einem Blog des Naturschutzbunds Deutschland, geführt mit Dr. Sibylle Schroer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Es ist vom 23. April 2020 und damit einige Jahre alt. Die Grundprinzipien, um die es geht, sind nicht versionsabhängig, aber es ist kein aktueller Bericht über den Stand der Forschung.
Der Beitrag wird hier genannt, weil er die drei Fragen Ort, Zweck und Zeitraum ausdrücklich stellt und weil er die Richtung als Einstellungsfrage benennt. Er wird nicht genannt, um Aussagen über Insektensterben, Sicherheit oder Rechtslage zu stützen. Zu diesen Themen äußert sich dieser Beitrag nicht, weil die herangezogene Quelle sie nicht trägt.
Sicher bleiben, genauer planen
Es gibt ein Gegenargument, das ernst genommen werden muss. Licht dient nicht nur der Orientierung, sondern auch dem Sicherheitsgefühl. Wer einen dunklen Weg meidet, hat einen Grund, und dieser Grund ist nicht irrational.
Die Antwort darauf ist nicht die Abschaffung der Beleuchtung, sondern ihre Genauigkeit. Ein Weg, der gleichmäßig und ausreichend beleuchtet ist, dient der Orientierung besser als eine grelle Leuchte, die blendet und daneben dunkle Flächen hinterlässt. Blendung ist ein eigenes Problem: Wo das Auge einer hellen Quelle ausgesetzt ist, sieht es in den dunkleren Bereichen daneben weniger.
Der zweite Teil des Gegenarguments betrifft die individuellen Bedürfnisse. Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen brauchen andere Kontraste als andere Personen. Ein Weg, der objektiv beleuchtet ist, kann subjektiv unzureichend sein. Diese Unterschiede lassen sich nicht mit einem einzigen Wert auflösen, und wer die Beleuchtung reduziert, sollte sie mitdenken.
Die drei Fragen bleiben trotzdem gültig. Sie ändern die Menge nicht pauschal, sie ändern die Verteilung. Und eine bessere Verteilung ist in den meisten Fällen der eigentliche Gewinn.
Vor der eigenen Haustür
Wer eine Leuchte an einem eigenen Gebäude betreibt, kann drei Dinge prüfen, ohne etwas zu kaufen.
Man stellt sich bei Dunkelheit auf den Weg und sieht nach, welche Flächen hell sind. Dann geht man zehn Meter weiter und sieht noch einmal nach. Wenn die Leuchte aus dieser Entfernung noch blendet, strahlt sie zu breit.
Man prüft die Ausrichtung. Eine Neigung um wenige Grad verschiebt den Lichtkegel um mehrere Meter. Häufig genügt diese Korrektur.
Man prüft die Rückseite. Was leuchtet, wenn man hinter der Leuchte steht, ist das Licht, das nach oben und zur Seite geht.
Das ist keine Planung und kein Gutachten. Es ist eine halbe Stunde mit einer Taschenlampe und einem offenen Blick, und in vielen Fällen endet sie mit einer Einstellung statt mit einer Anschaffung.
Quellen und Hinweise
- NABU: Mir ist ein Licht aufgegangen, 23. April 2020. Interview mit Dr. Sibylle Schroer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Trägt die Frage nach Notwendigkeit, Zweck und Zeiträumen, den Leitgedanken „so viel wie nötig, so wenig wie möglich" sowie die Ausrichtung des Abstrahlwinkels.
- Dieses Interview nennt keine Zeitschaltungen, Bewegungsmelder oder Dimmschaltungen als Maßnahmen und enthält keine Zahl zur Insektensterblichkeit. Dieser Beitrag schreibt ihm solche Angaben deshalb nicht zu.
- Dieser Beitrag gibt keine pauschale Farbtemperaturgrenze und behauptet nicht, Dunkelheit sei ohne Sicherheitsabwägung richtig. Er gibt keine Rechtsauskunft über Beleuchtungspflichten.
- Die Bilder sind eine gemalte Nachtszene mit einer gestalteten Leuchte. Sie zeigen kein bestimmtes Produkt und keine reale Adresse.


